Während der 1970er Jahre kam es im Vereinigten Königreich zu rasanten Entwicklungen in der Musik. Angespornt durch die Veröffentlichung des legendären White Album der Beatles, das 1968 erschien und Eltern ebenso entsetzte wie die Jugend entzückte, sprossen zahllose Rock-Bands aus dem Boden, die teils sehr schnell sehr erfolgreich wurden, wie zum Beispiel die Rolling Stones, die zuvor schon einiges erreicht hatten, Jethro Tull oder The Who. Diese Szene, geprägt von einem eher klassisch-schicken Kleidungsstil und mit Themen wie Liebe und Hoffnung, war für viele der desillusionierten, jungen Erwachsenen der Thatcher-Ära keine repräsentative Musik. Statt über Systemkritik oder Wut sangen Mick Jagger oder Ian Anderson von Themen, die das alltägliche Leben der Arbeiterklasse nicht beeinflussten.

In dieser Stimmung entstand eine komplett neue Musikrichtung, die sich durch ihre starke Provokation, ihre schnelle Spielart und ihre Aggressivität auszeichnete. Ihre Pioniere: die Sex Pistols. Ihr Name: Punk.

Provokant, Aggressiv, Albtraum der Eltern

Beim Punk ging es nicht darum, dass man sein Instrument besonders gut beherrschte. Es ging auch nicht um Liebe, Herzschmerz oder Metaphern, die keiner verstand. Es ging in aller erster Linie um Zusammenhalt, Spaß und jede Menge Provokation. Dazu war Punk das Sprachrohr für eine Generation von Kids, die sich in Thatchers Austerität um ihre Zukunft gebracht sahen. Diese Mischung war es auch, die den Punk so rasant wachsen lies. Innerhalb kürzester Zeit entstanden zahllose Punkbands wie Sham 69, The Clash, The Stranglers oder Stiff Little Fingers.

Inspiriert von den eher härteren Klängen aus Songs wie “(I can’t get no) Satisfaction” der Rolling Stones oder “My Generation” von The Who, sowie den aufregenden Rhythmen des Two Tone aus Jamaica, entwickelte sich der Punk zu einer Mischung aus aggressiven Gitarren und tanzbaren Rhythmen, was sich auch in dem aggressiven, aber rhythmischen Tanz der Bewegung, dem “Pogo” oder “Moshing”, äußerte. Ein neues Genre war geboren – und wurde über die letzten Jahrzehnte immer weiter entwickelt.